Google ersetzt FLoC durch die Topics API: Was sich für den Datenschutz ändert
Google ersetzt FLoC durch die Topics API: Was sich für den Datenschutz ändert
TL;DR — Kurzantwort
2 Min. LesezeitGoogles Topics API ersetzt FLoC, behält aber dasselbe Überwachungsmodell bei -- Chrome überwacht weiterhin das Surfverhalten und teilt Interessenkategorien mit Werbetreibenden, nur mit einer anderen Klassifizierungsmethode.
Nach erheblicher Kritik von Datenschützern kündigte Google an, FLoC einzustellen und durch ein System namens Topics zu ersetzen.
Die zentrale Erkenntnis bleibt unverändert: Die Nutzung „kostenloser" Software eines Werbeunternehmens hat ihren Preis für Ihre Privatsphäre.
Unabhängig davon, wie Googles PR-Maschine es darstellt: Ein Browser, der überwacht, welche Websites Sie besuchen, und diese Informationen an Werbetreibende verkauft, ist grundsätzlich ein Überwachungsinstrument. Im Jahr 2022 ist der Wechsel zu einem datenschutzfreundlichen Browser unkompliziert, mit zahlreichen brauchbaren Alternativen.
Was ist Google Topics?
Laut Google ist Topics ein interessenbasiertes Werbesystem. Es funktioniert, indem es Ihre Surfgewohnheiten überwacht und Ihnen Interessenkategorien zuweist, die Werbepartner für gezielte Werbung nutzen können. Details sind auf der API-GitHub-Seite verfügbar.
Der Mechanismus unterscheidet sich in mehreren Punkten von FLoC:
- Breitere Kategorien. Statt algorithmischer Kohorten verwendet Topics eine kuratierte Liste von etwa 350 Interessenkategorien (wie „Fitness" oder „Reisen"), die Chrome basierend auf dem Browserverlauf zuweist.
- Wöchentliche Rotation. Themen werden wöchentlich neu berechnet, und der Browser speichert nur drei Wochen an Themen-Verlauf.
- Sichtbarkeit für Nutzer. Nutzer können angeblich zugewiesene Themen über die Chrome-Einstellungen einsehen und entfernen.
- Zufälliges Rauschen. In fünf Prozent der Fälle gibt Chrome ein zufälliges Thema statt eines echten zurück, was einen gewissen Datenschutz bieten soll.
Warum Topics beim Datenschutz immer noch versagt
Trotz dieser Änderungen bleiben die grundlegenden Probleme bestehen:
Der Browser überwacht Sie weiterhin. Chrome analysiert weiterhin, welche Websites Sie besuchen, und kategorisiert Ihr Verhalten. Das Kernmodell der Überwachung ist unverändert -- nur die Klassifizierungsmethode unterscheidet sich.
Google kontrolliert die Taxonomie. Google entscheidet, welche Kategorien existieren und wie Websites ihnen zugeordnet werden. Dies gibt einem einzigen Werbeunternehmen die vollständige Kontrolle darüber, wie Nutzerverhalten interpretiert und monetarisiert wird.
Topics können weiterhin für Fingerprinting kombiniert werden. Während einzelne Themen breit gefasst sind, kann die Kombination von Themen über mehrere Wochen und Websites hinweg die Nutzeridentität eingrenzen. Drei Themen über drei Wochen ergeben Tausende möglicher Kombinationen.
Opt-out ist nicht die Standardeinstellung. Wie FLoC zuvor ist Topics in Chrome standardmäßig aktiviert. Nutzer müssen die Funktion aktiv entdecken und deaktivieren, statt sich bewusst dafür zu entscheiden.
Es ist immer noch Werbetechnologie. Topics existiert, um Googles Werbegeschäft zu dienen. Es als „Datenschutzverbesserung" zu bezeichnen, vergleicht es mit dem schlechtestmöglichen Ausgangspunkt (uneingeschränkte Third-Party-Cookies) statt mit echtem Datenschutz, der gar kein Verhaltens-Tracking bedeuten würde.
Was Website-Betreiber wissen sollten
Website-Betreiber können sich von Topics abmelden, indem sie entsprechende HTTP-Header hinzufügen, ähnlich wie FLoC blockiert werden konnte. Der effektivste Ansatz bleibt jedoch, invasive Analysen und Tracking vollständig von Ihrer Website zu entfernen.
Datenschutzfreundliche Analysetools, die keine Cookies verwenden, keine Einzelpersonen tracken und keine Daten mit Werbenetzwerken teilen, stellen den echten datenschutzfreundlichen Ansatz dar -- nicht geringfügig weniger invasive Versionen von Überwachungstechnologie.
Die echte Lösung
Nutzen Sie einen Browser, der Sie nicht trackt. Firefox, Brave und Safari implementieren weder Topics noch ein vergleichbares Verhaltensprofilierungssystem. Für Webanalysen wählen Sie Tools, die nur anonymisierte aggregierte Daten erheben und niemals Informationen in Werbenetzwerke einspeisen.
Die Entwicklung von Third-Party-Cookies über FLoC zu Topics zeigt, dass ein Werbeunternehmen immer neue Wege finden wird, Nutzer zu tracken. Die einzige verlässliche Datenschutzstrategie ist die Wahl von Tools und Diensten, deren Geschäftsmodell nicht auf Überwachung basiert.
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